Vorbeugen

SMART-Werte lesen, bevor es klackt

Fast jeder Datenträger führt Buch über sich selbst. Man kann diese Werte auslesen, und in vielen Fällen kündigt sich ein Ausfall dort Wochen vorher an — man muss nur wissen, worauf zu schauen ist.

Was SMART ist und was es nicht ist

SMART ist eine Selbstüberwachung, die Laufwerke seit Jahrzehnten mitbringen. Sie zählt Ereignisse: Wie oft musste ein Sektor neu zugewiesen werden, wie oft ist ein Lesevorgang fehlgeschlagen, wie viele Betriebsstunden sind vergangen, wie warm wurde es.

Was SMART nicht kann: eine Vorhersage treffen. Ein Laufwerk mit tadellosen Werten kann morgen ausfallen, und eines mit auffälligen Werten kann noch Jahre laufen. Die Gesamtbewertung „Status: OK", die viele Programme anzeigen, ist deshalb wenig wert — sie schlägt oft erst an, wenn es längst zu spät ist. Aussagekräftig sind die Einzelwerte.

Die Werte, auf die es bei Festplatten ankommt

  • Neu zugewiesene Sektoren

    Das Laufwerk hat eine Stelle als unbrauchbar erkannt und durch eine Reserve ersetzt. Der wichtigste Einzelwert überhaupt. Eine Handvoll über Jahre ist unauffällig — steigt die Zahl dagegen innerhalb von Wochen, ist der Datenträger im Abbau.

  • Schwebende Sektoren

    Stellen, die sich beim Lesen als problematisch gezeigt haben, aber noch nicht ersetzt wurden. Sie sind der Vorbote der ersten Kategorie und ein sehr ernstes Zeichen, weil genau dort Daten liegen können.

  • Nicht korrigierbare Sektoren

    Stellen, die endgültig nicht mehr gelesen werden konnten. Hier sind Daten bereits verloren.

  • Lesefehlerrate und Suchfehlerrate

    Vorsicht bei der Deutung: Manche Hersteller schreiben in diese Felder Rohzahlen, die von Haus aus riesig aussehen und nichts bedeuten. Aussagekräftig ist nur die Veränderung über die Zeit.

  • Betriebsstunden und Einschaltzyklen

    Kein Warnsignal an sich, aber Kontext. Ein Laufwerk mit fünfstelliger Stundenzahl in einem RAID ist ein Kandidat für den nächsten Ausfall — und für die Frage, ob das Backup aktuell ist.

  • Temperatur

    Dauerhaft hohe Temperaturen verkürzen die Lebensdauer. Interessant ist weniger der Momentwert als das Maximum, das das Laufwerk je gesehen hat.

Bei SSDs zählt etwas anderes

  • Abnutzungsgrad

    Zeigt an, wie viel der vorgesehenen Schreibleistung verbraucht ist. Im normalen Gebrauch bleibt dieser Wert über Jahre unauffällig; in Servern und bei dauerhaft schreibenden Anwendungen kann er zum Thema werden.

  • Geschriebene Datenmenge

    Vergleichen Sie die tatsächlich geschriebene Menge mit dem, was der Hersteller für die Lebensdauer angibt. Das ist die ehrlichste Kennzahl für den Verschleiß.

  • Reserveblöcke

    SSDs halten Ersatzzellen bereit. Nimmt deren Vorrat ab, wird es Zeit — bei Flash-Speicher geht es dann oft schnell.

  • Unerwartete Stromausfälle

    Ein hoher Zähler weist auf abrupt getrennte Stromversorgung hin. Das ist die häufigste Ursache für beschädigte Übersetzungstabellen und damit für SSDs, die plötzlich mit falscher Kapazität auftauchen.

Wann Sie handeln sollten

Sobald neu zugewiesene oder schwebende Sektoren auftauchen und die Zahl wächst, gilt: Sichern, jetzt, und zwar bevor irgendetwas anderes unternommen wird. Kein Klonen mit Bordmitteln, kein Prüfprogramm, kein Defragmentieren — all das erzeugt Last auf einem Laufwerk, das gerade zeigt, dass es Last nicht mehr gut verträgt.

Und der wichtigste Satz zum Thema: Wenn das Laufwerk bereits Geräusche macht, ist SMART nicht mehr die Frage. Dann ist es Zeit, den Stecker zu ziehen.

Ein praktischer Hinweis

SMART-Werte lassen sich mit frei verfügbaren Programmen auslesen — reines Lesen, ohne Eingriff. Wer ein NAS betreibt, findet die Werte meist direkt in dessen Oberfläche und kann sich benachrichtigen lassen. Das einzurichten, dauert fünf Minuten und ist die günstigste Datenrettung, die es gibt.
Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Mein Programm sagt „Status: gut". Kann ich mich darauf verlassen?

Nur eingeschränkt. Die Gesamtbewertung schlägt oft erst an, wenn Grenzwerte überschritten sind — und die sind vom Hersteller großzügig gesetzt. Schauen Sie auf die Einzelwerte, vor allem auf neu zugewiesene und schwebende Sektoren.

Kann man defekte Sektoren reparieren?

Nein. Das Laufwerk ersetzt sie intern durch Reservestellen — repariert wird nichts, und die Daten, die dort lagen, sind in der Regel verloren. Programme, die anderes versprechen, verschieben das Problem.

Meine Platte klackt, zeigt aber gute SMART-Werte. Wie das?

Weil die Selbstüberwachung ausgelesen werden muss — und ein Laufwerk mit mechanischem Schaden liefert oft gar keine oder veraltete Werte mehr. Das Geräusch ist in diesem Fall die verlässlichere Information.

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