Dateisystem- oder Rohdatenrettung?
Zwei Rettungen desselben Umfangs können zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen: einmal die vollständige Ordnerstruktur mit Namen und Datum, einmal 40.000 durchnummerierte Bilder ohne Zusammenhang. Der Unterschied liegt nicht am Aufwand, sondern daran, ob das Dateisystem noch lesbar war.
Was ein Dateisystem eigentlich ist
Ein Datenträger speichert keine Dateien. Er speichert Blöcke. Welche Blöcke zusammengehören, wie die entstehende Datei heißt, in welchem Ordner sie liegt und wann sie zuletzt geändert wurde — all das steht in einer eigenen Verwaltungsstruktur, dem Dateisystem. NTFS führt dafür die Master File Table, APFS und HFS+ arbeiten mit Katalogbäumen, ext4 mit Inodes, exFAT und FAT32 mit Zuordnungstabellen.
Diese Verwaltung ist klein — oft weniger als ein Prozent der Kapazität — und sie liegt an festen Stellen. Genau das macht sie verwundbar: Ein kurzer Stromausfall im falschen Moment, ein abgebrochener Kopiervorgang oder ein paar defekte Sektoren an der falschen Position können sie unbrauchbar machen, während 99 Prozent der eigentlichen Daten unberührt sind.
Dateisystemrettung: die Verwaltung reparieren
Ist die Struktur noch teilweise vorhanden, wird sie rekonstruiert. Dateisysteme führen an mehreren Stellen Sicherungskopien ihrer wichtigsten Tabellen; oft lässt sich aus Fragmenten wieder ein vollständiger Baum zusammensetzen.
Das Ergebnis ist die beste Form der Rettung: Ordnerstruktur, Dateinamen, Zeitstempel und — entscheidend — die richtige Reihenfolge der Blöcke auch bei stark fragmentierten Dateien. Eine 30 GB große Videodatei, die über den halben Datenträger verstreut liegt, kommt nur so wieder zusammen.
Rohdatenrettung: nach Mustern suchen
Ist die Verwaltung nicht mehr zu retten, bleibt der Weg über die Inhalte selbst. Fast jedes Dateiformat hat eine charakteristische Signatur am Anfang — JPEG, PDF, ZIP, MP4 und Hunderte andere lassen sich an ihren ersten Bytes erkennen. Die Software durchsucht den gesamten Datenträger nach solchen Anfängen und schneidet von dort bis zum erkennbaren Ende heraus.
Das funktioniert erstaunlich gut — mit drei bekannten Einschränkungen. Namen und Ordner sind weg, weil sie nie im Inhalt standen, sondern in der Verwaltung. Zeitstempel fehlen aus demselben Grund. Und fragmentierte Dateien werden unvollständig oder falsch zusammengesetzt, weil die Suche nach Signaturen nicht wissen kann, wo eine Datei im Datenträger fortgesetzt wird.
Deshalb liefert eine Rohdatenrettung bei Fotos und Videos von Kameras oft sehr gute Ergebnisse — solche Karten werden groß und am Stück beschrieben, die Dateien liegen dadurch zusammenhängend. Auf einer jahrelang genutzten Systemplatte mit vielen kleinen, oft geänderten Dokumenten fällt das Ergebnis deutlich unruhiger aus.
Was das für Ihre Erwartung heißt
Warum die Reihenfolge im Labor feststeht
- 01
Erst sichern
Sektorweises Abbild des Datenträgers. Alles Weitere läuft auf dieser Kopie, nie am Original.
- 02
Dann Dateisystem prüfen
Lässt sich die Verwaltungsstruktur ganz oder teilweise rekonstruieren? Das ist immer der erste Versuch, weil das Ergebnis ungleich besser ist.
- 03
Dann Rohdaten
Erst wenn die Struktur nicht mehr herstellbar ist, wird nach Signaturen gesucht — oft ergänzend, um Dateien einzusammeln, die im Baum fehlen.
- 04
Zuletzt prüfen
Stichproben öffnen. Eine Datei, die zwar vorhanden ist, aber nicht aufgeht, ist keine gerettete Datei.
Kurz beantwortet.
Warum heißen meine geretteten Fotos jetzt „file0001.jpg"?
Weil sie über eine Rohdatenrettung gefunden wurden. Der Dateiname stand nie im Bild, sondern in der Verwaltungsstruktur des Dateisystems — und die war nicht mehr rekonstruierbar. Der Bildinhalt selbst ist davon unberührt.
Kann man den Dateinamen nachträglich wiederherstellen?
Nicht aus dem Bild selbst. Manchmal helfen die Metadaten im Inneren der Datei weiter — Kameras schreiben Aufnahmedatum und Modell hinein, Office-Dokumente oft Autor und Titel. Daraus lässt sich eine brauchbare Sortierung bauen, aber nicht der ursprüngliche Name.
Ist eine Rohdatenrettung billiger?
Nein — der Preis richtet sich bei uns nach dem Fehlerbild des Datenträgers, nicht nach dem Verfahren. Welcher Weg möglich ist, zeigt sich erst in der Diagnose.
Wir schauen uns Ihren Datenträger an.
Die Economy-Diagnose ist kostenlos. Sie erfahren, was möglich ist, bevor etwas kostet — und was es kosten würde, steht vorher schriftlich fest.
Wasserweg 8–10 · 60594 Frankfurt am Main

